Die Lüge von der verschenkten Stimme

„Wer bei einer Splitterpartei sein Kreuz setzt, der verschenkt seine Stimme“, so die landläufige Meinung deutscher Wähler. Es ist unbekannt, wer diese Binsenweisheit in Umlauf gebracht hat, aber sie ist schon seit mindestens drei Jahrzehnten bekannt, und man hat den Eindruck, dass sie erfolgreich ist, insofern, dass gemäß dieser Prämisse in Deutschland gewählt wird. Aber: Stimmt sie überhaupt?

1. Stimmenbewegungen werden von den Wahlanalysten der etablierten Parteien genauestens untersucht, und führen teilweise zu einer Anpassung ihrer Programmatik. Die Stimme gewohnheitsmäßig einer großen Partei zu verschenken hingegen signalisiert der Partei, dass man mit der Programmatik zufrieden ist und kein Verbesserungspotential sieht. Es macht also durchaus Sinn sein Kreuz woanders zu setzen, um eine Veränderung herbei zu führen.

2. Splitterparteien zeichnen sich teilweise durch ein geschärftes Profil aus, das in bestimmten Bereichen besondere Schwerpunkte setzt. Man denke zum Beispiel an die Familien-Partei. Hier ist der Name gleichzeitig Programm, es geht um die Umsetzung einer familienzentrierten Politik. Setzt ein Wähler bei einer solchen Partei das Kreuz, dürfte klar sein, welches Signal damit an die etablierten Parteien gesendet wird.

3. Die Wahl einer Splitterpartei drückt Unzufriedenheit mit der Politk der etablierten Parteien aus. Man denke an die Grünen, lange Zeit eine Splitterpartei, dann in das etablierte Parteiengefüge aufgestiegen aufgrund der Ignoranz der vorgrünen Politik hinsichtlich der Interessen der deutschen Bevölkerung.

4. Die Wahl einer Splitterpartei gibt der größten Partei, den Nichtwählern, ein Gesicht. Etablierten Politikern wird dann klar, was das Volk bewegt.

Viele gute Gründe also, einer Splitterpartei seine Stimme zu geben und somit sich selbst in das Bewußtsein der etablierten Politik zu rücken.

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Über Wolf Michael

Interested in politics, especially everything, that covers the situation of families in Germany.
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2 Antworten zu Die Lüge von der verschenkten Stimme

  1. Religionsbehörde schreibt:

    „Stimmenbewegungen werden von den Wahlanalysten der etablierten Parteien genauestens untersucht, und führen teilweise zu einer Anpassung ihrer Programmatik.“

    Toll wäre es dann ja auch, wenn die „Volksparteien“ sich mal an ihre eigenen Programme halten würden… alles nur noch reine Makulatur.

    Am Erfolg der Piraten sieht man, wie hoch das „Protestpotential ist“. Vernünftige Splitterparteien müssten jetzt verstärkt durch Protestaktionen von sich Reden machen, damit nicht nur die Links-Chaoten absahnen.

    • Wolf Michael schreibt:

      Leider werden die etablierten Politiker in Ihrer Realitätsfremdheit durch die deutschen Wähler bestätigt, die sie entweder mangels Phantasie oder Ausdauer beim Studium des Wahlzettels wählen, oder es direkt bleiben lassen. Meine Hoffnung ist nur, dass der Leidensdruck der Deutschen bald so hoch ist, dass sie endlich aufwachen.

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